Freitag, 14. Mai 2021

Shirley Jackson: Wir haben schon immer im Schloss gelebt

Da das Buch vom Festa-Verlag rausgebracht wurde, habe ich mich irgendwie auf Horror eingestellt. Auch der schwarze Schutzumschlag mit dem roten Auge lässt eine Lektüre in diese Richtung erwarten. Doch von Horror habe ich nichts mitbekommen. Außer dem, dass wieder mal bestätigt wird, wozu eine aufgeheizte Menschenhorde fähig ist. 

Nichtsdestotrotz kann ich mich Neil Gaiman anschließen, der über Shirley Jackson meint: "Eine erstaunliche Autorin ... Wenn du sie nicht gelesen hast, hast Du etwas Wunderbares verpasst."

Denn Horror oder nicht, Shirley Jackson ist eine Erzählerin par excellence. 

Merricat lebt mit ihrer Schwester Constance und dem kranken Onkel Julian, der an den Rollstuhl gefesselt ist, im Schloss der Familie Blackwood am Rande eines Dorfes. Der Rest der Familie wurde vor Jahren vergiftet. Als Verdächtige galt Constance, sie wurde jedoch vor Gericht freigesprochen. Seitdem sind sie aus der Gemeinschaft ausgestoßen.

Es ist bedrückend zu lesen, wie abgeschnitten die drei Menschen im Schloss von allem sind. Einzig Merricat verlässt einmal in der Woche das Heim, um im Dorf Erledigungen und Einkäufe zu machen. Doch die drei scheinen glücklich zu sein. Erst als Cousin Charles auftaucht, der unbedingt an den Inhalt des Familiensafes kommen will, gerät das Gefüge ins Wanken.

Das Lesen der Geschichte war unheimlich spannend. Nicht nur allein, weil ich mich fragte, wann nun der Horrorteil beginnt. Nein, Shirley Jackson versteht es, so zu erzählen, dass man jedes Wort, jeden Satz, jeden Absatz, jedes Kapitel in sich aufsaugt. Ich freue mich wahnsinnig darauf, mehr von ihr zu lesen.

Mittwoch, 12. Mai 2021

Shirley Jackson

Shirley Hardie Jackson (14.12.1916 - 8.8.1965) war besonders für ihre Horror- und Mysteriegeschichten bekannt. Ihr Gesamtwerk umfasst sechs Romane, zwei Memoiren und mehr als 200 Kurzgeschichten.

Sie wurde in San Francisco geboren und besuchte die Syracuse University in New York. Hier engagierte sie sich für das Literaturmagazin der Universität und lernte ihren späteren Mann Stanley Edgar Hymen kennen. Nach ihrem Abschluss lebte das Paar in New York, wo sie für The New Yorker schrieben. Nach der Geburt des ersten Kindes zog das Paar nach North Bennington in Vermont, an dessen Fakultät des Bennington College Hyman wechselte. 

Das Ehepaar galt als großzügiger Gastgeber, das sich mit literarischen Talenten umgab. Zudem waren sie beide begeisterte Lesende, geschätzte 25.000 Bücher umfasste ihre private Bibliothek.

Nach ihrem Debütroman The Road Through the Wall (1948) erhielt sie große öffentliche Aufmerksamkeit mit ihrer Kurzgeschichte The Lottery. Weitere Kurzgeschichten folgten in den 1950er-Jahren in Literaturzeitschriften und -magazinen. Einige von ihnen fanden 1953 Platz in ihren Memoiren Life Among the Savages. Der übernatürliche Horror-Roman The Haunting of Hill House, der als eine der besten Geistergeschichten gilt, die je geschrieben wurden, erschien 1959.

Die Ehe war überschattet von Hymans Untreue, vor allem mit seinen Schülerinnen. Widerstrebend stimmte sie zu, die Ehe als offene Beziehung weiterzuführen. Obwohl sie viel mehr verdiente als er, kontrollierte er ihre Finanzen und zahlte ihr Geld nach eigenem Ermessen aus.

Shirley Jackson zog nicht nur die vier Kinder des Paares auf, sie arbeitete auch in einer Zeit, als dies für Frauen nicht üblich war und war sogar die Hauptverdienerin der Familie:

- "Sie hat hart gearbeitet", sagte ihr Sohn Laurence. "Sie schrieb immer oder dachte über das Schreiben nach, und sie erledigte auch alle Einkäufe und das Kochen. Die Mahlzeiten waren immer pünktlich. Aber sie liebte es auch zu lachen und Witze zu erzählen. Auf diese Weise war sie sehr lebhaft." Als Beispiele für ihren Witz verweist er die Leser auf ihre vielen humorvollen Cartoons, von denen einer einen Ehemann zeigt, der eine Frau warnt, während der Schwangerschaft keine schweren Dinge zu tragen, aber keine Hilfe anbietet. - The Guardian

Viele Autor*innen wurden von ihr beeinflusst, zum Beispiel:  Neil Gaiman, Stephen King, Sarah Waters, Nigel Kneale, Claire Fuller, Joanne Harris, und Richard Matheson.

In den 1960er-Jahren verschlechterte sich ihre Gesundheit, 1965 starb sie wegen einer Herzerkrankung im Alter von 48 Jahren.

Seit 2008 gibt es den Shirley Jackson Award, ein Literaturpreis, der für Werke aus dem Bereich der psychologischen Horrorliteratur und Phantastik verliehen wird, die in der Tradition der Werke von Shirley Jackson stehen.

Er wird jährlich für folgende Kategorien verliehen:

novel (Roman),
novella (Kurzroman),
novelette (Novelle),
short story (Kurzgeschichte)
collection (Sammlung von Erzählungen eines Autors) und
anthology (Zusammenstellung von Erzählungen mehrerer Autoren).


Deutsche Buch-Ausgaben

Wir haben schon immer im Schloss gelebt

Die Teufelsbraut. 25 dämonische Geschichten

Nicht von schlechten Eltern

Hermine Villinger


 

Hermine Villinger (Pseudonyme: H. Wilfried, H. Willfried) wurde am 6. Februar 1849 in Freiburg im Breisgau als Hermine Anna Theresia Xaveria Villinger geboren. Sie war eine deutsche Schriftstellerin.

Sie besuchte die höhere Töchterschule und war Schülerin im Augustinerinnenkloster in Offenburg. In Karlsruhe fand sie Kontakt zum literarischen Kreis um Anna Ettlinger, sowie zum Theater. Sie besuchte das neugegründete Auguste-Victoria-Lyzeum in Berlin und wandte sich dann endgültig der Schriftstellerei zu. Sie war mit Marie von Ebner-Eschenbach und der Schauspielerin Luise Schönfeld-Neumann befreundet.

Hermine Villinger war eine erfolgreiche Verfasserin von Romanen, Erzählungen, Kinderbüchern und Theaterstücken. Die meisten ihrer vom Realismus beeinflussten Werke sind in ihrer badischen Heimat angesiedelt.

Am  3. März 1917 starb sie in Karlsruhe.

Minna Canth


 Am 19. März 1844 wurde Minna Canth als Minna Johannson in Tampere (ehem. Tammerfors) geboren.

Sie war mit einem Seminardirektor verheiratet, der 1879 starb und sie mit sieben Kindern unversorgt zurückließ. Daher übernahm sie den väterlichen Garnladen.

Minna Canth schrieb Theaterstücke, Romane und Novellen; 1920 erschienen ihre Bücher zusammengefasst in vier Bänden. Ihre Dramen sind stark von Henrik Ibsen beeinflusst.

Ihr Geburtstag ist als Tag der Gleichberechtigung ein finnischer Staatsfeiertag.

Dass 1907 in Finnland das Frauenstimmrecht eingeführt wurde, ist ihr zu verdanken.

Am 12. Mai 1897 stirbt sie.


Sonntag, 9. Mai 2021

Božena Němcová

Božena Němcová
Foto um 1850

 Božena Němcová wurde am 4. Februar 1820 in Wien geboren. Sie war eine tschechische Schriftstellerin und wurde so richtig bekannt wohl durch ihren Roman "Die Großmutter". Im sogenannten Großmuttertal Babiččino údolí steht ein Denkmal. Der Film, "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", der alljährlich zur Weihnachtszeit im TV-Programm läuft, stammt aus ihrer Feder.

Ihr eigenes Leben wurde unter dem Titel "Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern" verfilmt.





Die Großmutter
Die Titelfigur der Großmutter Magdalena Novotná zählt zu den schönsten Frauengestalten der Weltliteratur

In dem 1855 erschienenen Werk schildert die Dichterin ihre idealisierten, poetisch ausgeschmückten Kindheitserinnerungen, zum Trost gegen die harte, von Armut, Krankheit und Schicksalsschlägen geprägte Wirklichkeit. Die Großmutter steht im Mittelpunkt der 18 Bilder aus dem ländlichen Leben und die anheimelnde, doch keineswegs konfliktlose Atmosphäre der "guten alten Zeit" wird in ihrem Leben und Wirken eingefangen. Kein geringerer als Franz Kafka schwärmte von der "Sprachmusik" des Werkes und ließ sich durch den Stoff inspirieren.




Samstag, 8. Mai 2021

Vicki Baum

 

Max Fenichel: Vicki Baum (um 1930)

Vicki Baum wurde am 24. Januar 1888 in Wien geboren. Sie wurde an der Wiener Musikhochschule als Harfenistin ausgebildet und begann 1914 zu schreiben. Ab Mitte der 20er Jahre arbeitete sie als Redakteurin im Berliner Ullstein-Verlag, der viele ihrer Romane als Vorabdruck in der "Berliner Illustrirten" veröffentlichte.

Ihren Durchbruch hatte sie 1929 mit ihrem Roman "Menschen im Hotel", der in Hollywood als "Grand Hotel" von E. Lubitsch verfilmt wurde. Als Vicki Baum in die USA zur Premiere reiste, blieb sie gleich da, nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an und schrieb viele Bücher in englischer Sprache. In Deutschland wurde sie von den Nationalsozialisten verboten.

Vicki Baum gehört zu den am meisten gelesenen und am meisten übersetzten Unterhaltungsschriftsteller*innen des 20. Jahrhundert.

Sie war zweimal verheiratet - in erster Ehe mit dem Journalisten M. Preis, in zweiter Ehe mit dem Dirigenten R. Lert, mit dem sie zwei Söhne hatte.

Vicki Baum starb am 29. August 1960 in Hollywood.

Donnerstag, 6. Mai 2021

Edwidge Danticat

Danticat, September 2019; wikipedia.en

 Edwidge Danticat wurde am 19. Januar 1969 in Port-au-Prince auf Haiti geboren. Sie ist eine amerikanische Schriftstellerin.

Zu Beginn der 1970er Jahre emigrierten die Eltern in die USA. Sie selbst wuchs bei einer Tante in Port-au-Prince auf. Erst mit 12 Jahren folgte sie den Eltern 1981 nach Brooklyn.

Ein erster Zeitungsartikel von ihr erschien 1983, in dem sie über ihre Auswanderung in die USA berichtete.

Edwidge Danticat studierte am Barnard College und der Brown University Literatur. Heute lebt und arbeitet sie in New York.

In ihren Romanen greift sie die Emigrationserfahrung und Episoden aus der Geschichte Haitis auf wie das Massaker an haitianischen Immigranten in der Dominikanischen Republik 1937. Ihr Buch "Brother, I'm Dying" ist autobiografisch; in einzelnen Passagen in "Der verlorene Vater" spiegelt sich die Geschichte ihrer Familie.


Der verlorene Vater

Eigentlich wollte sie bei der Reise in den Süden der USA ihrem Vater näherkommen und sich bedanken für all die Anregungen, die er ihr schenkte. Doch dann entdeckt die junge Künstlerin, dass ihr Vater keineswegs ein Opfer der Diktatur in Haiti war, sondern ein Folterer, der das Leben unzähliger Menschen zerstörte. Alles, worauf sie ihr Leben baute, bricht nun zusammen. Wie kann Vergebung gefunden werden?

Edwidge Danticats Sprache ist luzide und lyrisch, sie beherrscht die Kunst der Andeutung und Aussparung. Der Leser wird immer tiefer hineingezogen und so zu einem faszinierten und zugleich angewiderten Mitwisser.